Passivhaustaugliche Kastenfenster

Das Fenster ist eines der komplexesten Bauteile der Gebäudehülle. Es muß die unterschiedlichsten Anforderungen erfüllen. In der Hand des Planers liegt es, ob nur ein Loch in der Hülle unzureichend gestopft wird, oder ein High-Tech-Produkt zum Einsatz kommt, dass sich zeitgemäß und innovativ in die Hülle einfügt. Der immer weiter verbesserte Wärmeschutz von Gebäuden weist deshalb den Fenstern eine Schlüsselrolle bei der Errichtung von Passivhäusern zu. Ohne das Bauteil "Passivhaustaugliches Fenster" kann die Idee des Passivhauses nicht umgesetzt werden. Die Behaglichkeitsanforderungen der Bewohner können nur erfüllt werden wenn das Fenster die Rolle eines Heizkörpers - durch seine positive Energiebilanz auch im Kernwinter - übernimmt. Ziel ist es dabei sich auch bei sehr niedrigen Außentemperaturen im Bereich der Fenster aufhalten zu können ohne "Zugerscheinungen" zu verspüren. Dies ergibt sich wenn die Strahlungstemperatur-Asymmetrie kleiner 2,5 K beträgt. Der ganze Innenraum eines Passivhauses ist dann uneingeschränkt mit hoher thermischer Behaglichkeit nutzbar.

Neben den qualitativ hochwertigen Verglasungen sind allerdings für ein "Passivhaustaugliches Fenster" weitere Komponenten erforderlich. Das heißt auch der Glasrandverbund (Abstandshalter), der Rahmen und die wärmebrückenfreie Einbausituation müssen dem angrenzende Gebäude angepasst sein. Nur das Zusammenspiel aller dieser Komponenten gewährleistet die volle Funktionalität des Bauteils Fenster.


Kennwerte von Fenstern

Bisherige Kennwerte nach DIN 4108 Neue Kennwerte nach EuroNorm 10077 und PHI
Im Zuge der europäischen Harmonisierung wurde das Formelzeichen für den Wärmedurchgangskoeffizienten (k-Wert) in die international übliche Bezeichnung U-value (U-Wert) umbenannt.
kF Fenster-k-Wert als flächengewichtetes Mittel aus kR und kV Uw Fenster-U-Wert (w = window). Mittelwert aus den Flächen Uf und Ug und dem längenbezogenen Glasrand-Verlusten
kR Rahmen-k-Wert aus eindimensionaler Berechnung oder aus Rahmen-Materialgruppe n. DIN Uf Rahmen-U-Wert (f = frame)
kV Verglasungs-k-Wert aus DIN 4108.
Für Gläser mit Edelgasfüllung Werte nach Bundesanzeiger.
Ug Glas-U-Wert in Scheibenmitte (g = glazing)
Keinerlei Berücksichtung von Wärmebrücken-Effekten! zusätzlicher Wärmebrückenverlustkoeffizient am Glasrand in Abhängigkeit von Glaseinstand und Abstandshalter
Zusatzforderungen des PHI
Einbau Wärmebrücken -Verlustkoeffizient durch die Einbausituation
max. 0,01 W/mK zulässig
U/g Verhältnis von Verlust- zu Strahlungsgewinn-Koeffizient
max. 1,6 W/(m2K) zulässig
In Abhängigkeit von Fenstergröße, Art des Abstandshalters und gewählter Einbauweise kann der Uw-Wert eines Fensters nach EuroNorm gegenüber der Berechnung nach DIN um 0,1 - 0,3 W/m2K schlechter sein.


Anforderungen an Passivhausfenster

"... Zweierlei Kriterien müssen im Bezug auf das Fenster stimmen: einmal die Energiebilanz, d.h. die Balance zwischen den solaren Gewinnen, die durch das Fenster hereinkommen und den Wärmeverlusten, die über das Fenster das Gebäude wieder verlassen. Der zweite Gesichtspunkt ist der Komfort im Gebäude. Im Passivhaus müssen wir einen hohen thermischen Komfort auch ohne den sonst üblichen Heizkörper unter dem Fenster gewährleisten können und das bedeutet, dass wir keine als Zug spürbare Falllufterscheinung am Passivhaus-geeigneten Fenster vorfinden dürfen. Beide Anforderungen zusammen führen am Ende zu Anforderungen an den Wärmedurchgangskoeffizienten des Fensters, der für die Brauchbarkeit im Passivhaus kleiner gleich 0,8 W/(m2K) sein muss...."
Dr.W.Feist, in "die neue quadriga" Heft 2/2000



Umsetzung der Passivhausanforderungen beim Kastenfenster

Thermix-Abstandshalter

Die entwickelten passivhaustauglichen Holz-Kastenfenster bestehen aus zwei einflügligen getrennten Blendrahmen, die durch ein Futter verbunden sind. Jeder Flügelrahmen enthält eine Zweischeiben-Isolierverglasung (Ug=1,24 W/(m2*K); 24 mm (4/16/4)) und ist mit umlaufenden Falz- und Überschlagdichtungen versehen. Die Scheiben werden durch einen Thermix-Abstandshalter (g=0,022 W/(m*K)) getrennt, der Scheibenzwischenraum ist mit dem Edelgas Argon gefüllt. Die Gesamtkonstruktion erhöht die Wärme- und Schalldämmung sowie die Luftdichtheit im Vergleich zu den bisher bekannten Fenstertypen. Holz als Rahmen- und Flügelwerkstoff weist eine hohe Festigkeit und eine niedrige Wärmeleitfähigkeit auf. Der Einsatz des Thermix-Abstandshalters reduziert den Wärmebrücke­neffekt gegenüber Aluminium- Abstandhaltern um ca. 40 %, wodurch die Gefahr von Tauwasserbildung im Randbereich erheblich verringert wird. Ein entsprechend großer Glaseinstand reduziert den ohnehin geringen Wärmebrückeneffekt des Abstandshalters weiter.


Das Kastenfenster ist für folgende Bausysteme bzw. Bauweisen einsetzbar. Die entsprechenden Einbaudetails sind berechnet und verfügbar und vom PHI geprüft. Bei Einhaltung der geprüften Einbausituation sind mit dem Kastenfenster folgende U-Werte erreichbar (bezogen auf ein Normfenster):

Anschlußsituation
Uwe-Wert
System Naumann & Stahr(1) 0,681 W/(m2*K)
System 81Fünf (LBS Ökohaus) 0,713 W/(m2*K)
System TJI-Träger (Oehler Haus) 0,734 W/(m2*K)
Holzständerbauweise (Kölner Holzhaus) 0,743 W/(m2*K)
Brettstapelbauweise 0,723 W/(m2*K)
Beton mit Dämmung 0,714 W/(m2*K)
Porenbeton 0,692 W/(m2*K)
System Isorast 0,666 W/(m2*K)
Kalksandstein mit Dämmung 0,705 W/(m2*K)
Porotonmauerwerk mit Dämmung 0,681 W/(m2*K)
(1)Neues Einbaudetail

Natürlich liegen auch die entsprechenden -Werte für die jeweiligen Einbausituationen vor.



Nutzungsweisen des Kastenfensters

Durch die beiden unabhängig voneinander nutzbaren Fensterflügel des Kastenfensters gibt es verschiedene Möglichkeiten diese Flügel zu öffnen oder zu kippen. Dadurch lassen sich zusätzliche Effekte erzielen. Zwei dieser Möglichkeiten sind im folgenden Schema dargestellt.

Sommerfall Winterfall

Durch Spaltlüftung am äußeren gekippten Flügel kann heiße Luft aus dem Fensterzwischenraum entweichen, kühlere Luft strömt nach. Dadurch kann bei hohen Außentemperaturen und starker Einstrahlung die Rauminnentemperatur um bis zu 2 °C gegenüber dem komplett geschlossenen Fenster verringert werden.

Die im Fensterzwischenraum erwärmte Luft kann durch den gekippten Innenflügel in den Wohnraum gelangen. Bei auf der Südseite eingebauten Fenstern kann dadurch eine zusätzliche Aufheizung um 4 - 6 °C im Innenraum erzielt werden.



Technische Daten des Kastenfensters

Die konstruktiven Details wurden unter Berücksichtigung von bautechnischen und ökologischen Gesichtspunkten entwickelt. Um nachvollziehbare Ergebnisse zu erlangen wurden dazu umfangreiche Prüfungen und Tests an Kastenfenstern und Kasten-Fenstertüren vorgenommen.


Im Ergebniss dieser Entwicklung erreicht das Kastenfenster die nachstehenden zertifizierten technischen Eigenschaften:


Parameter Wert Anmerkungen
Energetische Kennwerte
  Uw = 0,68 W/(m2K) Fensterbreite 1,23 m, Höhe 1,48 m
Rahmenbreite 163/160 mm
Uf = 0,62/0,71 W/(m2K)
Ug = 0,62 W/(m2K)
g = 0,022 W/(mK) mit Thermix-Abstandshaltern
Durchlässigkeit
  Tvis = 0,62 Lichttransmissionsgrad
g = 0,47 Energiedurchlassgrad
Klasse 4 Luftdurchlässigkeit nach DIN EN 1026
Klasse 9A Schlagregendichtheit nach DIN EN 1027
Schall
  Rw = 51 dB Luftschalldämmung nach DIN ISO 717-1
siehe auch Zertifikate


Zusammenfassung

PHI-Zertifikat
Mit dem Kastenfenster des Bausystems nach Naumann & Stahr steht ein
  • modernes, aus ökologischen Baustoffen bestehendes Holzfenster;
  • mit guten Schall- und Brandschutzeigenschaften;
  • mit guter Luft- und Schlagregendichtheit;
  • gutem winterlichen und sommerlichen Wärmeschutz
  • und einem hervorragenden Preis-/Leistungsverhältnis
für Passivhäuser aller Bauweisen zur Verfügung.
Die Entwicklung erfolgte mit freundlicher Unterstützung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. Logo DBU


Wärmebrückenberechnung des Kastenfensters in der Einbausituation

Im nachfolgenden ist die Berechnung des Kastenfensters am Beispiel des Bausystems Naumann & Stahr dargestellt. Für die anderen vorstehend benannten Bausysteme und Bauweisen sind diese Berechnungen ebenfalls durchgeführt und vom Passivhaus Institut in Darmstadt zertifiziert worden. Der Bericht mit den Einbaudetails kann über das Ingenieurbüro Naumann & Stahr erworben werden.

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Berechnung der U-Werte der Wandkonstruktionen
Nr. Bezeichnung dSchicht Lambda-Wert Ri U
    cm W/(m*K) (m2*K)/W W/(m2*K)
1 Rü innen   0,130  
2 Fermacell-Platte 3,750 0,360 0,104
3 Dämmung 10,00 0,040 2,500
4 Egger-OSB-Platte 2,20 0,170 0,129
5 Dämmung 22,90 0,040 5,725
6 Gutex-Thermowall Putzträgerplatte 4,00 0,040 0,467
7 Kalkzementputz 1,50 0,870 0,017
8 Rü aussen   0,040
  Wanddicke 43,9 cm 9,645 0,104


Fensterschnitt
Fensteranschluss System Naumann & Stahr
1 Fermacell-Platten 37,50 mm
2 Isofloc WLG 040 100,00 mm
3 Egger-OSB-Platte 22,00 mm
4 Isofloc WLG 040 229,00 mm
5 Gutex-Thermowall Putzträgerplatte 40,00 mm
6 Kalk-Zement-Putz 15,00 mm
7 Kastenfenster
8 Fensterbank - außen
9 Holz 54 / 54 mm
10 Weichfaserstreifen 22,00 mm
11 Fensterbank - innen
12 Doppel-T-Träger 98 / 305 mm
13 Isofloc WLG 040 oder Steinfaser WLG 040
14 Weichfaserviereck 22,00 mm
Fensterschnitt quer


Seite/Oben
Material Wärmestromdichte Temperaturverlauf
Unten


Berechnungsergebnisse
Wärmestrom durch den Fensteranschluß QProgramm: 12,032 W/m
Wärmestrom durch das Fenster QFenster: 8,521 W/m
Wärmedurchgangskoeffizient durch die Wand UWand: 0,104 W/(m2*K)
Länge der Wand lWand: 1,000 m
Temperaturdifferenz T: 30,000 K
Wärmebrückenverlustkoeefizient des Einbaus Einbau: 0,007 W/(m*K)
Wärmedurchgangskoeffizient incl. Einbau Uwe: 0,699 W/(m2*K)